Update der dokumentierten Todesfälle
72.813
24 Stunden Gedenkaktion, Mahnmal, Rahmenprogramm
Samstag, 20. Juni 2026, 12 Uhr bis Sonntag, 21. Juni, 12 Uhr in der Heiliggeistkirche Bern
Beim Namen nennen
Die Aktion «Beim Namen nennen – über 72'000 Opfer der Festung Europa» gedenkt seit 2019 der Menschen, die auf dem Weg nach Europa gestorben sind und protestiert gegen ihren Tod. Am Flüchtlingstag lesen wir ihre Namen und schreiben sie auf weisse Stoffstreifen, die wir an die Fassade der Heiliggeistkirche hängen. 2021 haben wir die 44'000 Stoffstreifen zu 10 schön gebundenen Büchern zusammengenäht. www.beimnamennennen.ch<
Menschen flüchten vor Krieg, Vertreibung und Unterdrückung
Menschen müssen ihre Heimat verlassen, weil dort Krieg herrscht, es gewaltsame Konflikte gibt, sie verfolgt werden oder sie allgemein unter lebensbedrohlichen Bedingungen leben. Aktuell sind ca. 122 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten finden Schutz im eigenen Land (intern Vertriebene) oder Aufnahme in einem Flüchtlingscamp im Nachbarland.
Tödliche Fluchtwege und Abbau des Asylrechts
Aufgrund des gemeinsamen europäischen Asylsystems (GEAS), welches Mitte Juni 2026 mit neuen Verschärfungen in Kraft tritt, gelangen immer weniger Geflüchtete in Binnenländer wie die Schweiz oder Deutschland. Dafür steigt die Zahl der Menschen, die auf immer gefährlicheren Fluchtwegen nach Europa ums Leben kommen. Sie sterben in seeuntüchtigen Booten auf dem Mittelmeer, ersticken in Lastwagen, verhungern in der Wüste oder bleiben schwer verletzt im Grenzgebiet an der europäischen Aussengrenze im Wald liegen. Das Mitte Juni 2026 in Kraft tretende gemeinsame europäische Asylsystem verstösst elementar gegen die Menschenrechte und die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951.
Gegen das Vergessen
Mit der Aktion «Beim Namen nennen» erheben wir gegen diese menschenverachtende Politik unsere Stimme und trauern öffentlich. Vor allem möchten wir an alle Menschen erinnern, die oft namenlos gestorben sind und nirgends beerdigt wurden. Ihre Familien und Nahestehende trauern dennoch um sie. Eltern verloren ihre Kinder, Kinder ihre Eltern. Das darf so nicht weiter gehen. Es ist ein Skandal, den wir beklagen und durch das Lesen der Namen und die Nennung der Begleitumstände ihres Todes öffentlich machen.
Mit der diesjährigen Petition fordern wir die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dazu auf, wenigstens jene Menschen, die bereits in der Schweiz sind, nicht in Länder auszuschaffen, wo ihnen widrige Lebensumstände drohen und ihre elementaren Menschenrechte nicht gewährt sind. Die Schweiz soll selbst auf ihr Asylgesuch eintreten und ihnen Schutz gewähren.
Wir setzen uns für die Menschenrechte aller ein, denn diese sind unteilbar. Wir fordern die europäischen Staaten auf, sich an die Grundrechte zu halten und das individuelle Recht auf Asyl nicht ausser Kraft zu setzen.
Mach mit, setze ein Zeichen für Recht und Menschlichkeit
Programm
Schreiben der Namen
Das Aufschreiben der Namen findet unteranderem dezentral statt - in Kulturhäusern, in Freiräumen, in Schulen, in Altersheimen, in Jugendtreffs, in Pfarreien, in Firmen etc. - getragen von vielen, von zivilgesellschaftlichem Engagement an verschiedenen Orten.
19. Mai bis 21. Juni 2026 in der Heiliggeistkirche: Ausstellungen, während den Öffnungszeiten der Kirche
Realitäten auf See - 10 Jahre Seenotrettung im Mittelmeer - SOS MEDITERRANEE
Seit 2015 hat SOS MEDITERRANEE mehr als 43‘000 Frauen, Kinder und Männer gerettet. Sie schützen die Geretteten, bis sie einen sicheren Hafen erreichen, und bezeugen die humanitäre Krise im Mittelmeer, um die Situation zu ändern. Mit starken Bildern schaut die Ausstellung zurück auf das existenzielle und wichtige Schaffen der Organisation.
Ausstellung Klimajugend
Das Kollektiv Klimastreik Bern nimmt sich auf textbasierten Plakaten der Thematik Klima und Migration an. Das zentrale Anliegen der Ausstellung ist es über Klimamythen aufzuklären. Die Ausstellung gliedert sich in vier Kategorien: Fakten zur Klimakrise, Klima, Flucht und Vertreibung, Klimagerechtigkeit und die Folgen der momentanen Migrationspolitik.
20. Mai 2026, 20 Uhr, Heiliggeistkirche Bern, Filmabend mit dem Film «Save our Souls»
Organisiert von der Klimajugend Bern und der offenen kirche bern.
Ein Film gedreht an Bord des Rettungsschiff von SOS MEDITERRANEE, der «Ocean Viking».
Im Mittelmeer kreuzen sich die Wege von Menschen, die auf eine neue Zukunft hoffen, und den Seenotretter*innen der Ocean Viking. Sechs Wochen lang begleitet Regisseur und Fotograf Jean-Baptiste Bonnet ihre bewegende Reise. Mit eindringlichen Bildern zeigt er die geduldige Wachsamkeit der Crew, die Anspannung bei jeder Rettung und die Momente der Hoffnung, wenn das Schiff endlich einen europäischen Hafen erreicht.
Filmvorführung Save Our Souls | Klimastreik Bern
27. Mai 2026, 20 Uhr, Heiliggeistkirche Bern, Filmabend mit dem Film «Lowland Kids»
Mit beeindruckenden Bildern fängt LOWLAND KIDS von Sandra Winther die einzigartige Landschaft ein und zeigt das Leben als Klimaflüchtling im Süden der USA.
20. Juni 2026, 11.15 Uhr, Bahnhofplatz Bern, «Cercle de Silence» zum nationalen Flüchtlingstag
Ein stiller Protest und ein Zeichen der Solidarität mit und für abgewiesene Asylsuchende und Sans-Papiers, um der Menschen zu gedenken, die auf der Flucht gestorben sind.
20. Juni 2026, 12 Uhr, Heiliggeistkirche Bern, Beginn 24h Lesung
Eröffnet durch Gemeinderätin Ursina Anderegg.
Du möchtest Namen lesen? Trage dich dazu HIER in den Schichtplan ein.
21. Juni 2026, 10.30 Uhr, Heiliggeistkirche Bern, Gottesdienst zum Flüchtlingssonntag
Mit Pfarrerin Simone Fopp und vielen Freiwilligen.
Petition: Schutzgesuche endlich prüfen!
Unterschreibe jetzt in der Heiliggeistkirche
Die Schweiz ist im europäischen Vergleich eines der Länder, die am meisten Menschen in andere europäische Länder ausschaffen – ohne ihre Schutzbedürftigkeit zu prüfen:
- Familie Yari* aus Afghanistan mit einem Kleinkind und einem zwei Monate alten Baby wird in ein Land zurückgeschickt, in dem sie - nachdem sie ihr Asylgesuch gestellt hatten - auf der Strasse landeten und weder Unterkunft noch andere Unterstützung erhielten.
- Oshi aus dem Sudan ist schwer erkrankt und braucht Medikamente, um die Erkrankung zu behandeln. Er wird aus dem Spital ausgeschafft, obwohl im Zielland die nötige ärztliche Behandlung nicht gewährt ist, auch wenn die Behörden etwas anderes behaupten.
- Sarah aus dem Iran ist als Minderjährige in die Schweiz geflüchtet, wo sie bereits Verwandte hat. Während sie auf das Asylgesuch wartet, wird sie volljährig und muss nun in das Erstland zurückkehren, obwohl sie dort – im Unterschied zur Schweiz – keine Familienangehörigen hat.
- Luwam aus Äthiopien wird aus der Schweiz in das Erstland im Schengenraum ausgeschafft. Sie war aus diesem Land weiter geflüchtet, weil sie nach der Flucht aus ihrer Heimat Opfer von Menschenhandel wurde und sexualisierte Gewalt erlitt – so wie schon in ihrer Heimat und auf anderen Stationen der Flucht.
* Alle Situationen sind real, die Namen wurden verändert.
Solche Entscheidungen sind für die betroffenen Menschen verheerend. Und sie werden mit der Einführung des europäischen Migrations- und Asylpakts Mitte Juni 2026 noch weiter zunehmen. Es gibt aber eine Alternative:
Denn das europäische Asylrecht gewährt jedem Land das Recht, «insbesondere aus humanitären Gründen oder in Härtefällen» (Fussnote – siehe unten) , auf ein Schutzgesuch freiwillig einzutreten, anstatt die Person in ein anderes Land auszuschaffen, das dafür zuständig wäre. Die Schweiz macht höchst selten von diesem Recht Gebrauch, obschon die humanitäre Tradition der Schweiz immer wieder hochgepriesen wird.
Wir alle, Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes, haben die Pflicht, genau hinzuschauen, wie unsere Behörden mit schutzsuchenden Menschen in unserem Land umgehen. Deshalb fordern wir den Bundesrat und das Staatssekretariat für Migration mit dieser Petition auf, das Schutzbedürfnis bei vulnerablen Personen in der Schweiz generell zu prüfen. Wir erwarten von den Schweizer Behörden, dass sie klare Kriterien respektieren, die den Selbsteintritt bei vulnerablen Personen zwingend machen.
Fussnote: sogenanntes Selbsteintrittsrecht, nach Erwägungsgrund 17 der Dublin III-Verordnung / Art. 35 der AMM-Verordnung.
Unterschreibe in der Heiliggeistkirche oder lade die Petition hier zum selber Drucken herunter. Oder bestelle die Unterschriftenbögen über info@beimnamennennen.ch
Unterschreibe online HIER
Mitmachen
MITMACHEN – VOR ORT ODER IN GEMEINDEN, GRUPPEN, SCHULEN ODER VON ZU HAUSE AUS!
Auf der Webseite www.beimnamennennen.ch finden sich alle Infos für Freiwillige und Organisationen, die sich beteiligen möchten: Schichtpläne, Stoffstreifen beschriften, «Bücher der Erinnerung» ausleihen etc.
Die Aktion «Beim Namen nennen» findet statt in Aachen, Berlin, Bern, Bonn, Braunschweig, Chur, Dortmund, Essen, Euskirchen, Genf, Kehl, Luzern, Neuchâtel, Recklinghausen, St. Gallen, Winterthur, Zürich. In Kooperation mit UNITED for Intercultural Action.
Organisation und Sponsoring in Bern:
African Diaspora Council Switzerland, Verein Mosaik, Berner Beratungsstelle für Sans Papiers, Katholische Kirche Region Bern, Kirchgemeinde Frieden Heiliggeist, SOS MEDITERRANEE Schweiz, Kirchgemeinde Paulus, Missione Cattolica di lingua Italiana, offene kirche bern, Reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn/OeME-Migration, Zen Peacemaker Gemeinschaft Schweiz, Schweizerische Flüchtlingshilfe, passive attack, Stiftung für kirchliche Liebestätigkeit im Kanton Bern (KLT), Gemeinderat Stadt Bern, Campax